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Die Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld
Wo ist Raesfeld?
Wo ist Raesfeld? Das war meine erste Frage, als ich mir während meiner Selbstständigkeit überlegte, den Restaurator im Tischlerhandwerk zu machen. Einen Facharbeiter in der Restaurierung (eine Fortbildung für Gesellinnen und Gesellen) machte ich schon während meiner Reisezeit 2013 in Görlitz. Aus zeitlichen Gründen verschob ich diesen Gedanken immer wieder.
Dann kam ein alter Reisekamerad auf mich zu und lud mich ein, mit ihm zusammen den Restaurator im Handwerk an der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld zu machen. Kurzentschlossen meldete ich mich im selben Kurs an. Jetzt musste ich mich wirklich damit auseinandersetzen, wo genau Raesfeld liegt und stellte fest, dass ich relativ nah wohnte. Raesfeld ist von Münster aus nur eine Autostunde entfernt.
So begann ich meinen Kurs 2020 und fühlte mich mit den Kollegen und Kolleginnen im fachübergreifenden Kurs gleich pudelwohl. Dadurch, dass die ersten Kurse übergreifend für alle Gewerke waren, lernte ich gleich alle Kollegen und Kolleginnen aus allen Berufsgruppen kennen, die in Raesfeld ihren Restaurator im Handwerk machen konnten. Durch die Vielzahl der Gewerke gibt es sehr viel Unterhaltungsthemen. Derzeit werden in der Akademie Schloss Raesfeld 8 Gewerke zum Restaurator im Handwerk – Master Professional fortgebildet (Maler- und Lackierer:innen, Maurer- und Betonbauer:innen, Metallbauer:innen, Tischler:innen, Steinmetz:innen, Stuckateur:innen, Raumausstatter:innen, Zimmerleute). Besonders angrenzende Gewerke hatten hier viel Gesprächsstoff. Es ging z. B. darum, wie auf Baustellen gemeinsam gearbeitet werden kann und um die Lösung fachübergreifender Probleme. So gab es während der drei Kurstage pro Monat tagsüber unglaublich viel zu lernen und abends zu besprechen, auch gerne bei dem einen oder anderen Getränk.
Die erste Hürde
Die Prüfung des fachübergreifenden Teils war die erste Hürde. Da ich vorher schon länger nicht mehr in einer Schule und damit aus der Übung war, theoretische Inhalte auswendig zu lernen, hatte ich vor der ersten Prüfung doch ein wenig Angst. Die letzte Prüfung lag lange zurück, was einer leichten Prüfungsangst nicht zuträglich war. Zum Glück waren die Dozentinnen und Dozenten aufmerksam genug, um alle mitzunehmen und den Prüflingen den zu lernenden Prüfungsstoff nahezulegen. Zusätzlich unterstützten wir uns untereinander in Lerngruppen.
Nach der ersten Prüfung des fachübergreifenden Teils ging es direkt in die fachspezifischen Kurse. Immer mit dem Hintergedanken, dass man noch eine Dokumentation als Abschlussarbeit über eine historische Tischlerarbeit anzufertigen hat.
Auf fast jede Frage eine Antwort
Gerade diese Zeit war spannend und hat mich handwerklich ein großes Stück weitergebracht. Unterstützende waren dabei die wunderbaren Dozentinnen und Dozenten, welche in Theorie und Praxis unglaublich gut sind und auf fast jede Frage eine Antwort und zu fast jedem Problem eine Lösung fanden. So schaffte ich es durch die fachspezifische Prüfung und schrieb anschließend meine begonnene Dokumentation fertig. Dass es so viel Zeit und Aufmerksamkeit braucht, um eine gute Dokumentation zu schreiben, konnte ich vorher nicht abschätzen. Als Praktiker befasste ich mich vorher nie wirklich mit den theoretischen Herangehensweisen.
Im Herbst 2022 verteidigte ich dann mündlich meine Dokumentation vor dem Prüfungsausschuss und durfte mich danach Restaurator im Tischlerhandwerk nennen. Mein Abschluss zum Restaurator im Handwerk war der letzte Kurs, welcher noch ohne den Titel Master Professional geprüft wurde.
Mit der bestandenen Prüfung kehrte im Berufsalltag und im Privaten erst einmal wieder etwas Ruhe ein. Diese sollte allerdings nicht lange währen. Im Jahr 2022 wurde mit der Umstellung der Kurse und Prüfungen zum Restaurator/ Restauratorin im Handwerk – Master Professional für Restaurierung im Handwerk (laut PrüfVO von 2020) begonnen. Dafür war es notwendig, die Unterrichtszeit fast zu verdoppeln. Das geschah durch die Einführung zusätzlicher Kurse und die Erweiterung bestehender Kurse.
2024 nahm ich das Angebot an
Schon während meiner eigenen Ausbildung in Raesfeld wurde ich von meinen Dozenten gefragt, ob ich mir vorstellen könnte in Raesfeld einen Kurs zu geben, 2024 nahm ich das Angebot an. Zusätzlich wurde ich in die Prüfungskommission für die Tischler eingebunden. Bei meinem ersten Dozententreffen lernte ich alle Dozentinnen und Dozenten aus meinem Berufsfeld und die aller anderen Berufe kennen. Ein Kurs, den ich übernehmen konnte, war schon grob skizziert.
Weniger Praxis, mehr Theorie
Ich wuchs schnell mit meinen Aufgaben. Ich erstellte den Kursaufbau und überlegte mir, wie ich den Teilnehmenden das theoretische Wissen beibringe, sie dieses in die Praxis umsetzen lasse und wie ich den Unterricht interessant und informativ gestalten kann. Nun bin ich schon seit 2019 selbstständig, dazu brachte ich viel Vorerfahrung in der Restaurierung mit. Begonnen hat alles auf meiner traditionellen Wanderschaft, als ich 2013 den Kurs zum Restaurator im Handwerk in Görlitz besuchte. Im Betrieb meines Vaters lernte ich sehr viel über Fensterrestaurierung, eine Arbeit, die mir immer noch am Herzen liegt und viel Spaß macht. Nach der Meisterschule und räumlicher Veränderung war ich in einer Zimmerei für Fachwerkrestaurierung beschäftigt und habe mich aus dieser heraus selbständig gemacht. Nach meiner Ausbildung zum Restaurator im Handwerk arbeite ich nicht mehr nur in der klassisch praktischen Restaurierung. Mittlerweile mache ich Bestandsaufnahmen vor Ort und erstelle Gutachten und Restaurierungsvorschläge am Rechner, also weniger Praxis, mehr Theorie. Ich gebe einen Kurs an der Akademie Schloss Raesfeld und nehme dort den Tischlern die Prüfung ab.
Gerne auf das eine oder andere Getränk
Dies alles hat viel mit der Ausbildung und der Kollegialität unter den Kolleginnen und Kollegen auf Schloss Raesfeld zu tun. Durch den Verein Fachgruppe Restauratoren im Handwerk e. V. wird die Verbundenheit zur Ausbildungsstätte immer wieder aufgefrischt und warmgehalten. So bleibt man im Austausch und sieht sich immer wieder im schönen Schloss Raesfeld, gerne auf das eine oder andere Getränk.
Bundesweit sind wir außerdem in einem weiteren Verein dem Restaurator im Handwerk e. V. organisiert. In deren Landesgruppe NRW bin ich in der Sprecherfunktion tätig.
Dieser Beitrag und die Fotos stammen aus dem BULLETIN Ausgabe 90 und wurden von
Michael Gläßer, einh. Rolandsbruder, verfasst.
Fotografie: Florian Ropers und Akademie Schloss Raesfeld
Mehr zur Akademie: www.akademie-des-handwerks.de
Fachberatung: F.V.D. David Lorentz, F.V.D. Bernhard Mergel, Emmanuel Rousseau (Fédération)
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