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Co-Working-Werkstatt

Co-Working-Werkstatt

Selbstständiges Arbeiten im Kollektiv
Erik Pomplitz und Sandra Reichenbach sind Betreiber der Tischlerei lignum manufactur GmbH in Leipzig und etablierten in der Kulturwarenfabrik einen klassischen Tischlereibetrieb. Hier teilen sich mehrere Selbstständige eine Werkstatt mit Maschinenpark und zeigen, wie im traditionellen Handwerk gearbeitet werden kann.
Erik Pomplitz
Erik Pomplitz
Betreiber der Kulturwarenfabrik

Die Idee

Herr Pomplitz, woher kam die Idee der Co-Working-Werkstatt?
Der Gedanke existiert schon so lange, stammt aber natürlich nicht von mir. Nehmen wir das Beispiel der Maschinen-Traktoren-Station in der Landwirtschaft. Arbeitsgeräte, die jeder Landwirt braucht, aber nicht jeder besitzt, können in einer Einrichtung ausgeliehen werden. So teilen sich verschiedene Arbeiter eine Gerätschaft, die durch eine Person nie voll ausgelastet wäre. Diese Idee der Nutzungsvariante ist doch wunderbar. So lag für mich auf der Hand, Produktionsmittel, die ich als Tischler benötige, auch anderen zur Verfügung zu stellen.

Momentan nutzen wir in der Werkstatt gemeinsam Maschinen wie Hobel, Säge und Fräse durchschnittlich etwa eine Stunde an einem 10 Stunden- Arbeitstag pro Arbeitskraft. Das ist eine Maschinenauslastung von nur 10 %! Wenn jeder allein in einer Tischlerei arbeiten würde, wäre diese Auslastung noch geringer. Welch eine Verschwendung.

Wie viele Arbeitsplätze stellen Sie in der Kulturwarenfabrik zur Verfügung?

Wir haben insgesamt zehn Arbeitsplätze. Momentan sind auch alle durch Selbstständige wie Tischlermeister, Designer oder Ingenieure belegt. Jetzt haben wir auch wieder einen Lehrling in der Werkstatt. Kontinuierlich haben wir Praktikanten bei uns, die von dem vielfältigen Wissen der Tischlermeister profitieren können.

Was sind Vorteile dieses besonderen Arbeitsplatzes?

Uns war es wichtig, gute Technik in der Werkstatt zu etablieren, um keine Kompromisse bei der Fertigung eingehen zu müssen. So können wir z.B. über 5 Meter am Stück sägen. Außerdem ist gemeinsames Arbeiten schön. Aber noch wichtiger ist es, die ökonomischen Befindlichkeiten für den Betrieb, besonders in Bezug auf Maschinenauslastung, nicht außer Acht zu lassen. Jeder in der Tischlerei der Kulturwarenfabrik ist auf etwas anderes spezialisiert. Viele sind Möbeltischler. Wenn eine Kundenanfrage an die Tischlerei gelangt, vermittle ich diese an den jeweils passenden Schreiner. Der Kunde kann in der Werkstatt den Entstehungsprozess seines Auftrages erleben.

Außerdem hat sich die Gesellschaft so entwickelt, dass kaum einer in der Großstadt im Keller Platz für eine Werkbank hat. Alles ist verdichtet und zu Wohnraum umgebaut. Dazu kommt, dass nach dem Feierabend oder am Wochenende kaum ein Nachbar den Lärm eines Anderen ertragen möchte. Deshalb gibt es die Möglichkeit, sich temporär für Projekte bei uns einzumieten.
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Wie wird die Werkstatt hauptsächlich genutzt?

Vordergründig arbeiten in der Werkstatt unsere langfristig eingemieteten Meister, die umfangreiche Projekte realisieren. Manchmal kommt jemand, der nur ein Brett zugeschnitten haben möchte. Ein anderes Mal haben wir ein Team hier, das über ein Jahr an einem eigenen Kanu baut.

Aber grundsätzlich gilt: Jeder, der sein Projekt selbst realisieren möchte, darf das hier gerne tun. Wenn man Hilfe bei der Planung oder Umsetzung des eigenen Projektes braucht, ist jemand von uns da. Das kann man bei der Einmietung mit dazu buchen.

Sehen Sie Nachteile in dem Konzept der Kulturwarenfabrik?

Der einzige Nachteil könnte möglicherweise sein, dass man seinen Arbeitsplatz irgendwann als zu eng empfindet. Aber vielleicht ist das auch kein Nachteil. Sondern der Moment, in dem man merkt, dass es Zeit für einen neuen Schritt ist.

Welche Regeln herrschen in der Werkstatt?

Wenn ein Besucher unsere Werkstatt betritt, soll er einen authentischen Eindruck bekommen. Daher finde ich es gut, wenn die Werkzeuge in Systemkoffern verstaut sind und zusätzlich gebaute Regale am Arbeitsplatz aus einheitlichen Materialien bestehen. Uns ist es wichtig, dass jeder Mitarbeiter die Werkstatt als seine betrachtet und auch so behandelt.

Gibt es einen Austausch untereinander?

Bei größeren Projekten gibt es auf jeden Fall einen Erfahrungsaustausch. Sowohl im vertraglichen und organisatorischen, als auch im konstruktiven Bereich. Und das vom erstmaligen Kundenkontakt bis hin zur Produktabnahme. Ein Ziel der Tischlerei in der Kulturwarenfabrik ist es, ambitionierten Leuten eine Plattform mit umfangreichem Fachwissen zu bieten.
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Wird auch an gemeinsamen Projekten gearbeitet?

Es ist durchaus möglich, dass ein Mitarbeiter einen größeren Auftrag erhält, den er allein nur schwer umsetzen kann. Dann finden sich zwei bis drei Kollegen zusammen, um an dem Projekt zu arbeiten. Zuletzt wurden gemeinsam Heizkörperverkleidungen für einen Kindergarten und eine Theater-Garderobe gebaut. Bei solchen Arbeiten lassen sich Praktikanten oder Lehrlinge gut einbinden. Wenn im Möbelbau für einen Schrank mehrere Schubladen gebraucht werden, zeigt der Meister an einem Stück wie es geht. Anschließend übt sich der Lehrling an den nachfolgenden Schubladen.

Wie waren bisherige Erfahrungen mit Einmietern?

So gut wie nur positiv. Ich erinnere mich nur an einen Fall, wo ich nicht ganz so zufrieden mit dem Umgang der Maschinen war. Demjenigen hat zu dem Zeitpunkt einfach das Gefühl für die Produktionsmittel gefehlt. Aber trotzdem gilt: Jeder, der bisher in der Werkstatt eingemietet war, ist jederzeit gerne wiedergesehen.

Zu welchen Konditionen kann man sich einmieten?

Die Preis-Basis ist für alle gleich. Pro Stunde zahlt man für einen Arbeitsplatz und die Nutzung aller Maschinen und Werkzeuge ab 3,50 €. Die monatliche Einmietung kostet 250 €, wobei eine Mindestmietdauer von einem Jahr besteht. Ein Studioplatz, also ein abgetrennter größerer Arbeitsplatz, ist etwas teurer. Mir ist es wichtig, Transparenz im Kostenbereich zu schaffen. Ein junger Tischlermeister muss einfach wissen, welche Kosten er zu kalkulieren hat.

Kontakt Kulturwarenfabrik

Wer mal einen Blick in die Tischlerei der Kulturwarenfabrik werfen möchte, findet sie in der Lützner Straße 85, in 04177 Leipzig.
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